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Die Zeit und das Glück

Wann ist meine Generation eigentlich zu denen geworden, die jetzt viel zu häufig die Worte „wie schnell geht die Zeit um?“ sagen? Gerade mal einen Wimpernschlag entfernt haben wir doch die Generation vor uns komisch angesehen, wenn sie diese Worte ausgesprochen haben. Und jetzt? Jetzt bin ich selbst einer von denen, die andauernd sagen „Wo geht die Zeit hin?“ Wann ist das passiert, frage ich mich?

Gestern hab ich doch erst meine Cousine nach der Schule abgeholt, wir haben uns auf den Roller geschwungen und sind zu dem Rest der Clique ins Schwimmbad gefahren. Und heute sehe ich mich um und plötzlich sind viele meiner Freunde und Bekannten Ende zwanzig, gehen heiraten, bekommen Kinder und bauen Häuser. Wann sind wir so alt geworden? Wann sind wir so erwachsen geworden? Wann ist das passiert? Ich bin Mitte zwanzig und warte immer noch darauf, mich auch endlich so zu fühlen. Doch das fällt mir so schwer, denn die Zeit ist einfach viel zu schnell vorbei gegangen und die alten Erinnerungen sind einfach so präsent, als wären sie wirklich erst gestern gewesen. 6 Wochen Sommerferien, sie schienen schier unendlich, doch jetzt… jetzt feiere ich an Silvester ins neue Jahr, schlage einmal mit den Wimpern und dann genieße ich noch die letzten späten Sommertage, während das Wetter schon wieder rauer, die Luft kühler und die Tage schon wieder kürzer werden, denn der Sommer wird gerade (schon wieder) vom Herbst abgelöst. Gestern habe ich noch im Bachelorstress gesessen und heute bin ich schon fast ein Jahr auf Weltreise.

Kann mal bitte jemand auf Pause drücken? Denn irgendwie geht mir das alles zu schnell. Es fühlt sich an, als würde ich einem Schnellzug sitzen und alles was draußen geschieht, rast nur so vorbei. Ab und zu, kommt mal frischer Wind rein oder draußen passiert was so außergewöhnliches, was mir auffällt und im Gedächtnis bleibt. Doch der Zug scheint immer und immer schneller zu fahren, mir bleibt nur, gelegentlich das Abteil zu wechseln, aber auch das entschleunigt nicht.

Eine Metapher, die glaub ich stellvertretend für meine Generation (und alle, die das nach uns ebenfalls so erleben werden) steht. Ich verstehe jetzt endlich, wenn die Erwachsenen damals gesagt haben, wie schnell man schon wieder gewachsen ist, denn ich bin jetzt nicht anders..

„Mit der Zeit wird die Zeit immer wichtiger.“

Genau das zeigt mir, wie wichtig es ist, das Leben voll zu genießen und zwar nach meinen Vorstellungen. So sehr es geht, Träume und Wünsche in die Tat umzusetzen und nicht auf später zu verschieben. Denn später kommt schneller als gedacht  und irgendwann ist irgendwann zu spät. Jeden Augenblick des Lebens schätzen und all das Glück nehmen und es nicht für selbstverständlich nehmen. Und bevor ich alt und grau im Altersheim sitze und der jungen Generation erzähle, dass ich in meinen Mitzwanzigern schlagartig begriffen habe, dass die Zeit rennt, aber dennoch nicht das Beste daraus gemacht habe, lebe ich mein Leben jetzt. Ich mach all die Dinge auf die ich Lust habe und für die mein Herz schlägt, um glücklich zu sein. Ich nehme jede Sekunde, jede Erfahrung, jede Person und jeden Moment, der mir widerfährt als ein Geschenk, um jedes Mal aufs Neue zu lernen, dass wir niemals aufhören zu lernen. Dafür, dass hinter jeder Ecke noch was unerwartetes steckt oder wir niemals wissen, welche Türe wir öffnen müssen, um weiter zu kommen. Doch das einzige, was wir wissen, ist, dass die Zeit das einzige ist, was wir nicht aufhalten oder verändern können. Sie zeigt uns, dass Veränderung stetig und andauernd stattfindet und wir uns durch jeden Atemzug verändern, allein dadurch, dass wir in dieser Zeit bestehen und jede Sekunde eine andere ist. Zeit ist also zwangsläufig Veränderung und es liegt aber an uns, wie sehr wir uns in und mit ihr verändern.

„Im Leben geht es nicht darum irgendwo anzukommen. Es geht darum, wer du wirst, auf dem Weg dahin.“

Die Zeit verändert uns. Sie macht uns älter, faltiger und schenkt uns dabei ganz nebenbei etwas ganz Besonderes: Lebenserfahrung. Also egal wie schnell sie rennt und in Zukunft (gefühlt) noch an Geschwindigkeit zunehmen wird, müssen wir das Jetzt genießen. Wir müssen Momente greifen und durch sie die Zeit stillstehen lassen, um am Ende glücklich zu sein. Sie zeigt uns, dass unser Leben viel zu kurz ist, um uns mit Dingen, Menschen oder Situationen abzufinden, die uns nicht glücklich machen. Dafür ist unser Leben zu kurz und die Zeit zu schnell.

 

„Ich war nach Nichts auf der Suche als ich losgezogen bin. Aber ich hab gerade das Gefühl, als hätte ich das gefunden, wonach ich nicht gesucht habe.“

Ich sage diese Worte und würde ich mich in diesem Moment mit den Augen meines Gegenübers sehen, sähe ich Gesicht, welches ein Glitzern in den Augen hat, einen verträumten Blick, in dem eine absolute Klarheit zu erkennen ist, und in dem man aber vor allem eins sieht: Glück.

„Geduld ist das Vertrauen, dass alles kommt, wenn die Zeit reif ist.“

Viel hab ich in vergangenen Monaten rumgesponnen, wie es für mich wohl weiter geht, wenn diese Reise vorüber ist. Immer neue Ideen haben sich entwickelt, mal verrückt, mal ganz realistisch und dennoch alle sehr unklar. Denn, wie der Weg wirklich weiter geht, ist mehr als ungewiss. Doch es gab diese eine Idee und es hat sich nicht wie eine Idee angefühlt. Nein, es war nicht nur eine neue Tür, die es auf einmal gab, sondern es war die Tür, die ich aufgestoßen habe und durch die ich ohne Nachzudenken gegangen bin. Ohne Zweifel, mit Klarheit. Es war wie mit dem Entschluss zu dieser Reise, eine Entscheidung, mit allen Konsequenzen, die mich aber tiefst in meinem inneren total glücklich macht und mir Freudentränen übers Gesicht laufen lässt. Wie weiß ich noch nicht, aber das „Was“ wurde gestern geboren.

„Glück bedeutet seinen eigenen Weg zu gehen.“

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