Länder,  Neuseeland

Happy Birthday

Alleine am anderen Ende der Welt Geburtstag feiern.  Erledigt

Ich habe eine kleine To-Do Liste in meinem Kopf, mit allen möglichen Dingen, die ich gerne einmal in meinem Leben machen will. Alleine, also ohne meine Freunde und Familie zu Hause, Geburtstag feiern, war ein Punkt davon. Ich wollte sehen, was es mit mir macht und in mir auslöst, so weit weg ohne die Liebsten, die diesen Tag mit mir zelebrieren. Dass dies schon viel schneller sein würde, als vermutet, konnte ja niemand ahnen, aber umso besser.

Tatsächlich war es eine einzigartige Erfahrung, die ich auch nicht mehr missen möchte. Ich war die letzten Tage viel unterwegs, denn nachdem ich mich aus meinem Tief wieder aufgerafft hatte, stand der Reisealltag wieder an und ich bin derzeit den Süden Neuseelands am bereisen. Das bedeutet, ich sehe zwei bis drei Städte innerhalb einer Woche. Kaum angekommen, packe ich auch schon wieder meine sieben Sachen zusammen und sitze schon wieder im Bus und betrachte Neuseelands vielseitige Landschaft durch das Busfenster. Eigentlich ist es genau der Stress, vor dem ich zuvor geflüchtet war, doch ich bin wieder erholt und statt mich erneut zu stressen, macht es sogar richtig Spaß all die Orte zu sehen. Ich fühle mich ein bisschen wie nach meiner Ankunft in Island: bin innerlich total ausgeglichen und sehe das ganze sehr entspannt. Auch wenn ich gerade wieder sehr viel in kurzer Zeit sehe, wirkt es alles andere als „too much“ und ich genieße es total.

Auch wenn mich Neuseeland bisher nicht so verzaubert hat, wie es Island binnen weniger Tage geschafft hatte, ist es hier einfach unfassbar schön. Dieses Land ist so vielseitig und für mich als Naturliebhaber unersättlich. Morgens stehe ich noch am Strand und betrachte, wie sich die riesigen Wellen brechen, während ich zwei Stunden später durch die Stadt schlendere und das Treiben betrachte. Im ersten Moment fährt man durch den Regenwald und sieht einen Wasserfall nach dem nächsten, steht in eisblauem Gletscherwasser, wandert riesige Berge hoch und genießt diese unterschiedliche Natur mit all ihren Facetten.

„Die Welt ist zu groß und viel zu schön, um nur einen Ort zu sehen.“

Die Ruhe der letzten Wochen hat mich in den vergangen Tagen in den unterschiedlichsten Momenten zum Nachdenken gebracht und mich erneut klar darüber werden lassen, wer ich bin und was mich ausmacht. In Begleitung mit meinem anstehenden 25. Geburtstag haben mich doch wieder ganz andere Themen beschäftigt. Ich weiß nicht wo es herkam, aber so habe ich mich zum Beispiel gefragt, was ich denn eigentlich will in meinem Leben? Wo führt mich meine Reise hin und was kommt danach? Ich bekomme in diesen Tagen das Gefühl, dass ich all das, was ich mir wünsche und gerne machen würde, gar nicht machen kann. Ich habe nun mal nur ein Leben und meine Zeit ist begrenzt auf diesem Planeten, sodass mich die Panik überkommt, gar nicht alles machen zu können. Einerseits will ich wirklich die ganze Welt bereisen und nicht nur die Hauptspots in jedem Land sehen, sondern die Länder, die Kulturen und das Leben dort richtig leben. Alles nicht nur im Vorbeiziehen sehen sondern all das richtig sehen. In meinen Gedanken lebe ich eine Zeit lang hier und dann eine Weile dort, arbeite auf einem Kreuzfahrtschiff und dann mal als Sozialarbeiterin noch ein Jahr in Australien oder bei meinen lieben Isländern in den Greenhouses. Immer unterwegs, immer mit dem unersättlichen Durst, die Welt noch intensiver zu sehen. Doch auf der anderen Seite liebe ich mein zu Hause, meinen Hund, meine Wohnung, meine Familie und Freunde. Schon seitdem ich klein bin würde ich gerne mein eigenes kleines Haus bauen. Doch wie soll ich ankommen, wenn ich rastlos sein will? Ich stell mir auch die Frage, ob ich nicht womöglich doch noch irgendwann heiraten und Kinder will? Ja, was will ich eigentlich? Denn alles geht nicht, und irgendwann muss ich mich wohl für einen von beiden Wegen entscheiden und die Frage nach dem was ich will beantworten.

„Sich nach dem Reisen zu sehnen, während man reist, klingt irgendwie unersättlich.“

All diesen Fragen begleiten mich und ich frage mich, warum ausgerechnet der 25. Geburtstag scheinbar einen solchen Meilenstein für mich darstellt? Vielleicht weil in meinem Kopf immer noch die Vorstellung herrscht, dass 25jährige schon so erwachsen sind, mit beiden Beinen im Leben stehen und genau wissen was sie wollen und ich das Gefühl habe, dieser Vorstellung nicht vollkommen gerecht zu werden?

„Die großen Augenblicke sind die, in denen wir getan haben, was wir uns nie zugetraut hätte.“

Naja ich schweife ab, eigentlich wollte ich dir ja von meinem wirklich einzigartigen und wundervollen Tag berichten. Denn genau das war er. Ich hab mir bereits im Vorfeld überlegt, wie ich ohne meine Liebsten dennoch einen unvergesslichen Tag haben könnte? Ich habe zu Beginn in Neuseeland Helena und Emil, ein junges deutsches Pärchen, kennen gelernt. Die beiden sind mit dem Auto unterwegs und haben die gleiche Route „geplant“ wie ich. Unsere Wege kreuzten sich in diesen Tagen in Queenstown wieder und es war klar, dass sie ebenso gerne an meinem Geburtstag bei mir wären, wie ich ihn gerne mit ihnen verbringen wollte. Doch damit nicht genug. 25, wie gesagt für mich ein Meilenstein, den wollte ich krönen. Wie geht das besser, als meine Komfortzone um 1000% zu überschreiten und etwas zu wagen, von dem ich niemals geglaubt hätte, dass ich es tatsächlich mal mache? Queenstown bietet alles, was das Actionherz begehrt und so sehr es auch ein Loch in mein Budget gegraben hat, wollte ich hier unbedingt einen Bungee Sprung machen.  Also lege ich beide Ereignisse zusammen und dabei kam etwas raus, für was ich keine Worte finde !

„What if I fall? Oh Darling, what if you fly?“

Ich hatte die Hose voll bis oben hin und konnte nicht glauben, dass ich das wirklich gebucht hatte. Bin ich eigentlich bescheuert?? Ich stehe dort oben, mein Herz pocht so laut doch ich bekomm das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Erstaunlicherweise bin ich gar nicht so aufgeregt und dennoch brauche ich etwa eine Minute bis ich endlich Anlauf nehme und mein Körper beginnt sich zu bewegen. Im nächsten Augenblick erlebe ich 8 Sekunden und 80m freien Fall !

Bungee Jumping.  Erledigt

Ich hab gesagt, ich bezeichne es nicht als mutig, alleine auf Weltreise zu gehen. Solche Dinge, die bezeichne ich als mutig. Das hier, dafür muss man wirklich Eier haben. Ein Wahnsinns Erlebnis und der Tag hatte quasi gerade erst begonnen.

„Mutig zu sin bedeutet nicht keine Angst zu haben, sondern es trotzdem zu tun.“

Zurück in der Stadt hab ich die Wanderschuhe angezogen und bin allein den steilen Berg hoch gewandert um einen wunderschönen Blick auf die Skyline zu haben. Und genau die hatte ich ! Nichts mit bewölktem Himmel, wie es der Wetterbericht vorher gesagt hatte, nein, mit strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel wurde ich nach dem Anstieg belohnt. Nach dem Marsch wieder nach unten und einer Dusche hab ich die anderen im Zentrum getroffen. Überrascht haben sie mich mit einem Kuchen – inklusive Kerzchen – und wir haben uns alle einen Burger gegönnt (bester veggie – Burger den ich je hatte), zwei free- Geburtstags-Milkshakes abgegrast und uns dann mit Weinchen an den See gesetzt. Hier saßen wir gemütlich, haben den Sonnenuntergang genossen und auf den Tag und meinen Sprung angestoßen. Sie haben den Abend mit mir ausklingen lassen und mit mir gemeinsam eine Erinnerung an einen Tag geschaffen, den ich nie mehr vergessen werde  !

„Wirklich glücklich bist du, wenn du realisiert hast, dass Geschenke und Geld nicht die Dinge sind, die dich reich machen.“

Mein 25. Geburtstag, am anderen Ende der Welt. Ohne meine Liebsten von zu Hause. Aufgrund der Zeitverschiebung, der längste Geburtstag meines Lebens (immerhin 36h), der definitv der schönste Geburtstag meines Lebens war und den ich mir so kaum schöner hätte vorstellen können. Ein Meilenstein, der bisher zu einem meiner schönsten Tage meiner Weltreise zählt.

Vielen Dank, an alle, die an mich gedacht und mir neben Glückwünschen nur das Beste gewünscht haben.
Danke an Helena und Emil,
ohne euch wäre dieser Tag nur halb so lustig, schön und besonders geworden.

 

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