Indien,  Länder

Indien

Ganz aufgeregt sitze ich im Flugzeug, als der Pilot den Landeanflug startet.  Ganz schön lang sind wir in den Wolken. Häh? Jetzt Fährt er schon die Reifen aus, aber wir sind doch immer noch in den Wolken. Und dann landen wir. Ich brauche ein bisschen bis ich verstehe, dass es sau nebelig ist und ich deshalb dachte wir sind noch so weit oben. Bis die Frau, die neben uns sitzt erzählt, dass es sich hier nicht um Nebel handelt, sondern um Smog. Ich merke, wie mir die Kinnlade runter klappt und ich erst sie und dann die „Landschaft“ draußen anstarre. Alter. Das. Ist. Echt. Widerlich.

Kurz darauf erfahre ich: Gesundheitsnotstand in Delhi ausgerufen (Exkurs: ein normaler Luftqualitätsindex liegt bei 0- 25, gesundheitsgefährdend gilt er ab 100 à unsrer lag bei 810). Naja, jetzt bin ich hier, ändern kann mans nicht. Der erste Eindruck trübt schon mal und das soll auch noch ein bisschen so bleiben. Delhi entpuppt sich für mich als keine schöne Stadt. Ich war echt auf vieles vorbereitet, hab schon viel Schlimmes gesehen in den vergangenen Monaten, aber das hier ist ganz anders und so hab ich es auch nicht erwartet. Wenn ich sage, hier liegt viel rum, meine ich damit Berge von Müll, nicht nur an einem Ort, sondern überall, in der ganzen Stadt verteilt. Mittendrin Kühe, Schweine, Hunde und andere Tiere, die sich von all dem (Plastik-) Müll ernähren. Viele Kinder, die teilweise nackt rumlaufen, weil sie keine Kleider haben und überall sind Gerüche, die ich nicht einmal beschreiben will. Die Männer pöbeln und gaffen (das machen aber ziemlich alle Leute) einen an, laufen einem nach und werden frech, wenn man sie ignoriert. Die Unterkunft alles andere als ein Ort zum Wohlfühlen, zählt aber schon mit zu den Besten, die es gibt. Alles in allem, kein guter Start. Einen Tag Sightseeing (man sieht sowieso kaum etwas) und dann direkt weiter ziehen, bloß raus hier (nach all den Monaten in Asien, wünsche ich mir hier erstmals einen Mundschutz). Weiter geht’s mit dem Bus nach Agra, wo ich zuerst mal vor einem gebuchten Hotel stehe, welches gar nicht existiert. Abzocke nennt man das. Da steht man dann, umringt, von Menschen, die einen belagern und versucht eigens eine Alternative zu finden. Hab ich zum Glück auch, bin ja zum Glück bisschen reiseerfahren. Neue Unterkunft gefunden, die endlich einem Hostel wie es kenne nahe kommt. Frühstück morgens mit Kaffee in der Hand auf das Taj Mahal: zum ersten Mal ein Moment in Indien, den ich wirklich schön finde.

„Und manchmal muss man sich die Zeit nehmen um einfach dazusitzen und vor sich hin zu starren.“

Danach die Besichtigung dieses gigantischen Gebäudes ist einfach nur der Wahnsinn. Steht einfach da, weiß genau was es kann und hat eine Wucht, die einen sprachlos macht. Dennoch, außer dem Taj Mahal gibt’s hier nicht viel Schönes und erinnert sehr an Delhi. Also auch hier schnell wieder raus.

Ich bin den Tränen sehr nahe. Ich bin nicht nah am Wasser gebaut und kann als Sozialarbeiterin auch einiges ab, aber das hier sind einfach Zustände, die ich so furchtbar finde, dass ich sie mir nicht länger ansehen möchte. Glücklicherweise ist Jaipur schon anders. Ab hier wird es von Stadt zu Stadt besser und mein Gemüt beruhigt sich ein wenig. Jaipur, the pink city, ist tatsächlich viel pink und rosa. Auch wenn der Müll bleibt, die Menschen sind freundlicher, weniger traditionell und der Kulturschock ebbt weiter ab. Von dort geht’s nach Pushkar, wo mich ein camel festival und eine Zeremonie erwarten.  Es folgt Jodphur, the blue city. Und ja, auch die ist echt blau. Es gibt in all den Städten viele Festungen, welche echt toll anzusehen sind und in der blauen Stadt finde ich ganz spontan einen kleinen Kochkurs, den ich mitmache. Ich verliebe mich in indischen Chai, sowie das indische Essen, trotz dem Fakt, dass mein Magen dagegen rebelliert. 

„So much of our happiness depends on how we choose to look at the world.“

Wir reisen weiter nach Jaisalmer, wo sich das Bild von Indien endgültig ändert. Ich couchsurfe hier bei einer Deutschen, welche ein Hostel besitzt. Damit in der Nebensaison bisschen Leben in der Bude ist, nimmt sie gerne Couchsurfer an. Und weil man mit denen bisschen anders agiert, als mit Gästen, wurden wir direkt am ersten Abend eingeladen zu Lagerfeuer unterm Sternenhimmel in der Wüste. Anna und ihre indischen Jungs zeigen mir eine ganz andere Seite und Sichtweise von Indien. Der Hangover am nächsten Tag ist genug Beweis, wie toll dieser Abend (Weltreise Tag 400) war.

„Of all the books in the world, the best stories are found between the pages of a passport.“

Sichtlich wohl fühle ich mich dort, die Jungs und Anna sind einfach toll und weil man ja sprichwörtlich gehen soll, wenns am Schönsten ist, geht es einige Tage später weiter nach Udaipur. Ein wunderschönes Städtchen, umringt von Wasser, mit ganz viel Charme. Ich besuche hier das einzige Tier Krankenhaus ganz Indiens, sehe, wie die Tiere aufgepeppelt werden und erfahre viel über die Zustände. Mama ehrlich, wenn ich nicht schon vegan wäre, spätestens das hier wäre ausschlaggebend gewesen. Bei all dem Leid war es aber auch schön, den Tieren zu helfen, indem ich ihnen ganz viel Liebe schenken durfte. Highlight: Kälbchen füttern. Ich bin hier auch einen Tag völlig kaputt, schlafe 24h am Stück, esse nichts und gebe dem Körper Zeit und Ruhe, um sich zu regenerieren. Schließlich geht es nach Mumbai. Wohl das komplette Gegenteil von Delhi. Niemand starrt mich an, alles moderner und weniger traditionell. Bisschen sightseeing, bisschen klar kommen, dass nun Station „Indien“ auch schon vorbei ist. Highlight: entgegen aller Erwartungen kein Bollywood Film, sondern die Fortsetzung meines Lieblings Disney Films: für nicht mal 5€ Eintritt nen 3D Film mit Essen und Getränken, beste Entscheidung ever.

„I never lose. Either I win or I learn.“

Mein persönliches Indien Fazit? Indien ist anders. Vergleicht man es, mit allem, was ich davor gesehen hab, ist Indien echt hässlich. Betrachtet man es jedoch einzeln, kann es ganz schön sein. Mein Fall ist es dennoch nicht. Mir fehlt hier die Natur, klare Luft und vor allem Ruhe. Werde ich wieder zurück kommen? Ja, aber um endlich richtig Yoga und Meditation zu erlernen, in einem Ashram. Weit weg von Lärm, Zivilisation oder Internet connection.

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