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Meeresrauschen

„I just want to sit in front of the ocean for a little while.“

Eigentlich wollte ich bereits in Miami meinen Pegel runter fahren und schon hier ein bisschen Abschalten. Doch anders als gedacht, ging hier ja wieder alles rasant nach oben, ich habe wenig geschlafen, viel Bier getrunken und auch wieder jede Menge gesehen und erlebt. Ich komme also auf den Bahamas an und es wirkt, als drücke der bewölkte Himmel genau das aus, wie ich mich fühle. Im Kopf habe ich nur, dass ich mich gerade verabschieden musste, obwohl ich es gar nicht wollte. Wirklich freuen, dass ich hier bin tue ich mich nicht.

Nachdem ich 40$ für das blöde Taxi gezahlt hatte und dem Taxifahrer (hoffentlich) deutlich gemacht habe, dass ich nicht mit ihm Essen gehen will, komme ich im Hostel an. Der erste Eindruck ist soweit super und obwohl ich kaputt bin, raffe ich mich auf und gehe nochmal zum Supermarkt, denn ich habe schrecklichen Hunger. Dass dieser Gang meine Stimmung noch mehr trüben würde, habe ich da noch nicht geahnt. Es war ziemlich unheimlich auf den Gassen und ich hatte mehr Angst, als jemals zuvor, dass mir irgendetwas passiert. Es ist zum Glück alles gut gegangen, aber ich habe mich mehr als unwohl gefühlt und beschlossen, nachts nicht mehr allein auf den Straßen unterwegs zu sein. Wieder zurück im Hostel versuche ich das alles zu verarbeiten und merke mehr als in den Tagen zuvor, dass ich einfach keine Lust mehr habe. Ich habe keine Lust mehr auf das Reisen, keine Lust mehr immer und immer wieder zu erzählen wer ich bin, warum ich unterwegs bin oder wie mein Weg bisher war. Ich habe keine Lust mich zu bewegen oder die Gegend zu erkunden, ich will schlichtweg einfach nur auf meine Couch zu Hause, die Tür zu machen und meine Ruhe haben. Doch meine Couch ist nicht zu erreichen, ebenso wenig der Strand, denn der ist, wie ich rausgefunden habe, 2km weit weg (naja das günstigste Hostel hat eben auch seine Nachteile). Doch auch wenn ich gerade total am Tiefpunkt bin, versuche ich zu denken, dass morgen ein neuer Tag ist, an dem die Welt schon wieder ganz anders aussehen kann. Bestärkt darin durch meine Liebsten gehe ich schlafen.

Am nächsten Morgen wache ich auf, habe immer noch Kopfschmerzen und keine Lust mich auch nur irgendwie zu bewegen. Und so denke ich: Genau deshalb bin ich hier! Ich bin jetzt im Urlaub (ja auch für mich hört sich das immer noch bisschen paradox an) und ich darf jetzt auch mal nichts machen. Also schnappe ich mir meinen Laptop und will wenigstens schreiben, doch noch nicht mal darauf habe ich Lust. Ich verbringe den Tag also damit, zwischen Bett und Küche hin- und her zu pendeln, schlafe viel und mir ist gerade mehr als egal, dass ich auf den fu**ing Bahamas bin und eigentlich am Strand liegen sollte. Nachdem auch dieser Tag mich nicht aus meinem Tief befördert, denke ich „Wer weiß, wie es morgen ist? Es kann nur besser werden“.

„Nach Regen folgt immer Sonnenschein.“

Heute wache ich auf und die Sonne scheint. Die Wolken sind alle vorbei gezogen und scheinbar bezieht sich das nicht nur aufs Wetter, sondern auch auf meine Stimmung, welche schon etwas besser ist, denn auch meine Kopschmerzen haben etwas nachgelassen. Ich raffe mich also auf und marschiere die 2km bis zum Strand. Unterwegs will ich mir noch Sonnencreme kaufen bin aber schlichtweg zu geizig 20$ dafür auszugeben.

„Meeresrauschen, einer der besten Klänge der Welt.“

Am Strand angekommen suche ich mir ein Plätzchen weit weg von all den Menschen und lege mich, ein wenig im Schatten, in diesen unglaublich weichen Sand. Ich starre erst mal eine Weile auf das Meer sowie die Wellen und bestaune wie unglaublich klar und türkis dieses Wasser ist. Ich bin einfach fasziniert davon. Auch das ist Natur. Auch das ist, was ich so liebe. Es muss nicht grün sein, einen Vulkan oder einen gigantischen Wasserfall hervorbringen. Nein, es reicht, wenn die Sonne auf den Weiten des Horizonts glitzert und ich das Rauschen der Wellen höre. Die Natur mit ihren vielen verschiedenen Facetten ist für mich immer schön. Egal wo, egal wie. Ein bisschen Balsam für meine momentan so angeknackste Seele.

„Wenn man die Natur wahrhaftig liebt, so findet man sie überall schön“

Und so liege ich etwa sechs Stunden am Strand, schreibe Tagebuch, betrachte das Meer und gehe darin schwimmen. Ein Tag ist noch lange kein Urlaub und als ich heute Nachmittag (am Abend will ich ja nicht mehr alleine laufen) zurück ins Hostel komme, bin ich fix und fertig, aber noch lange nicht erholt. Ich bin krebsrot und habe mir natürlich trotz Schatten einen mega Sonnenbrand eingefangen. Naja, ich bin selbst schuld, immerhin war ich diejenige, die zu gezeigt für die blöde Sonnencreme war.

Heute war mal ein Anfang, aber ich bezweifel immernoch, dass ich in 10 Tagen meinen Tank wieder mit genug neuer Energie füllen kann, damit ich wieder motiviert weiter ziehen kann. Aber vermuten ist nicht wissen und wissen kann ich schlichtweg einfach nicht, was die Zukunft bringt. Also lass ich das alles mal auf mich zu kommen und was immer geht, ist hoffen. Also hoffe ich einfach, dass ich hier die nötige Energie zum weiter reisen bekomme, denn mein Durst nach der Welt ist noch lange nicht gestillt, auch wenn die Energie gerade nachlässt.

„Das Meer ist die beste Akku-Ladestation für die Seele.“

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