Länder,  Neuseeland

New Zealand, Part 2

„Manchmal vergeht die Zeit schnell und langsam zugleich.“

Ich muss zugeben hier war es sehr ruhig seit meinem letzten Beitrag – die Zeit ist irgendwie gerast. Doch ich habe den Blog und das Schreiben noch nicht aufgegeben, lediglich lagen meine Prioritäten in den vergangenen Wochen woanders. Es ist zwar jede Menge passiert und ich hab auch das ein oder andere erlebt von dem ich berichten wollte (und vielleicht noch tue) aber ich hab bedingt ein bisschen social media Abstand gebraucht. Ich habe meine Zeit nach Feierabend meist damit verbracht, indem ich mich in „mein“ Bett gekuschelt habe und Netflix geschaut habe, hab Audiobooks sowie Podcasts für mich entdeckt. An den Wochenenden hab ich meist was mit der Familie unternommen oder im Alleingang Auckland und weitere Teile der Nordinsel erkundet. Was ich alles gesehen und gemacht habe in Neuseeland fragst du dich vielleicht? Nun sollte das für dich der interessantestes Part sein, der vielleicht dein Fernweh nach diesem Land ankurbelt, keine Angst, meine Favoriten werde ich in einem extra Beitrag verfassen, denn es waren einfach so viele Orte.

„Wer mit sich selbst nicht alleine sein kann, ist auch zu zweit einsam.“

Hier liegt es mir aber gerade am Herzen dir zu erzählen, wie es mir nun geht, denn mich haben durchaus viele Nachrichten diesbezüglich nach meinem letzten Beitrag erreicht. Was soll ich sagen, mir geht es sehr gut. Die Zeit, besonders hier bei der Familie, war sehr intensiv für mich. Warum? Nun ja, ich war ja zum ersten Mal auf meiner Reise alleine und es brach eine sehr intensive Zeit für mich an. Eine Zeit, in der ich an Konfrontationen und Herausforderungen wachsen konnte, an denen ich für mein professionelles Handeln viel gelernt habe, in der ich mich und mein Leben anders reflektiert habe und nun sehr klar auf diese Zeit zurückblicken kann. Es war eine sehr wirre Zeit, gespickt mit Up’s und Down’s und an deren Ende ich nun sagen kann, dass ich womöglich endlich rausgefunden habe was mir im Leben wichtig ist und wie es nach meiner Reise weiter geht. Ich habe das Gefühl, ich bin viel gefasster und klarer als vorher, es ist nicht mehr diffus ich mache mir lediglich weiter Gedanken inwiefern ich zukünftig mit all dem zurechtkommen werde.

„Wenn dich der Mut verlässt, gehst du halt alleine weiter.“

Doch ich finde das klingt für dich wahrscheinlich immer noch sehr verwirrend, klar, du kannst ja auch nicht meinen Kopf reingucken und verstehen was da oben gerade so abgeht. So sehr ich es genossen habe mal runter zu fahren so brachte das gleichzeitig jede Menge Heimweh mit sich. Sei es weil zu Hause jemand Geburtstag hatte, weil der Frühling (und mittlerweile sogar der Sommer) begonnen hat, weil die Grillzeit begonnen hat oder auch einfach weil ich die Liebsten auf Fotos Lachen gesehen hab und ich wusste, ich kann nicht dabei sein. Zudem konnte ich nicht genug bekommen: ich war hier privater als in jeder anderen bisherigen Unterkunft und dennoch oder genau deswegen habe ich mich nach meiner Küche gesehnt in der ich aus meiner Kaffeetasse trinke und mit meinen (so geliebten) Backutensilien backe. Ich wollte in meinem Bett aufwachen, auf mein Klo gehen und vor allem mit meinem Hund spazieren gehen und in der Sonne sitzen. Es waren so die alltäglichen Dinge, die ich zu Hause vermisst habe, dazu wurde ich auch noch richtig dick krank (ist ja logisch, endlich kein (positiver) Stress mehr, das muss das liebe Immunsystem natürlich ausnutzen) aber ich hab das alles einfach mal zugelassen. Das gepaart mit den Menschen, die mir so sehr am Herzen liegen (Arschmatz darf sich besonders angesprochen fühlen), hat mir öfter mal Tränen in die Augen getrieben. Immerhin bin ich ja auch nicht von meinem geliebten zu Hause weggegangen, weil es mir nicht gefallen hat oder weil ich dort unglücklich war. Nein, ich bin gegangen, weil ich die Welt sehen wollte und hoffte auf dieser Reise herauszufinden, wonach ich überhaupt auf der Suche bin.

„Zeit die wir uns nehmen ist Zeit die uns etwas gibt.“

Ich glaub wenn man in solchen Momenten niemanden vertrauten an der Seite hat wächst man unheimlich daran und lernt sich selbst aus diesen Tiefs rauszuheben und es wäre auch nicht ich, wenn ich depressiv in der Ecke sitzen würde. Nein meine positive Art des Denkens war hier sehr hilfreich aber auch der Gedanke, dass mit dem gebuchten Flug nach Australien meine Reise zu unserer Reise werden wird. Denn ab dann wird diese Reise wieder etwas ganz Neues, nicht nur weil jetzt die andere Hälfte der Welt (im wahrsten Sinne des Wortes) bevor steht, sondern weil das Reisen mit einem der Lieblingsmenschen nochmal ganz anders Halt und Unterstützung – aber auch neue Herausforderungen – mit sich bringt. Der Gedanke, dass ich die andere Hälfte der Reise mit ihr zusammen erleben kann war für mich sehr bereichernd und hat mich sehr glücklich gemacht. Es geht mir also nach wie vor gut mit dieser Entscheidung und all dem was ich mache, ich bin nur ehrlich zuzugeben, dass ich „daheim“ sehr liebe und hier besonders vermisst habe. Doch seien wir mal ehrlich, wenn ich wirklich nach Hause wollte, gäbe es keine Diskussion, denn dann würde ich ohne wenn und aber längst auf meiner Couch sitzen 😉

Übrigens falls es dir nicht aufgefallen ist: ja, es ist tatsächlich schon über die Hälfte meiner Reise vorbei. In den Wochen hier war „Halbzeit“ angesagt. Und ist es nicht unglaublich schön, dass ich die Möglichkeit habe die Welt durch zwei unterschiedliche Perspektiven zu erkunden? Einmal herauszufinden wie das Alleinereisen ist (ich muss sagen, hier bin ich mittlerweile ein Ass 😉 ) sondern auch, wie das gemeinsame erkunden und alle damit verbundenen (neuen) Herausforderungen der Welt funktioniert?

Dennoch war die Zeit hier auch mit vielen Glücksmomenten bestückt. Ich habe nach 8 Monaten Reise immer noch nicht wirklich realisiert, dass ich das hier alles wirklich mache und all die Erfahrungen erleben darf. Ich hab doch tatsächlich am anderen Ende der Welt nun gelebt und gearbeitet (wie die Kiwis sagen würden: „how cool is that, eeyy?“). Ich bin so weit weg wie es nur geht und hab mich teilweise für verrückt gehalten, denn in der einen Sekunde weine ich weil ich nicht zu Hause bei den Liebsten bin und in der anderen Sekunde sind diese Tränen gepaart mit einem breiten Lächeln weil ich verdammt nochmal scheiße glücklich bin. Bisschen verrückt oder?

„Lieber verrückt das Leben genießen, als normal langweilen.“

Um nach meinem letzten Beitrag nochmal zu sagen wie es mir hier in der Familie erging. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, bin ich hier super zurecht gekommen. Irgendwann wusste ich, wie ich mit jedem umzugehen habe, wann Witze gemacht werden und wann es kein trockener Humor ist. Ich wurde mitgenommen zum Kurztrip, habe Ostern hier verbracht und danach eine Zeitlang sturmfrei gehabt, weil die Familie in Urlaub war. Ich hab Auckland als Stadt sehr lieben gelernt (hat auch echt alles gegeben) Und nun? Naja nun bin ich vollends hier angekommen, kenne alle Abläufe und weiß wie der Hase läuft und ausgerechnet jetzt muss ich gehen.

„Jeder Tag ist kostbar. Die schönen Tage schenken dir Freude, die schlechten schenken dir Erfahrungen, die schlimmsten Tage Lektionen und die besten Tage Erinnerungen.“

Ich trete also am Dienstag die Reise Richtung Flughafen an. Es geht nach Australien wo mich ein gemieteter Campervan und zwei Arme, die ich „mein zu Hause“ nenne, erwarten. Meine Reiselust ist wieder vollends vorhanden und bin voller Vorfreude. Ich gehe also mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auch, weil ich hier gehe und durch all die Wochen nun weiß, dass der Einstieg in das Flugzeug bedeutet, dass ich mein bisheriges Leben mit seinem Päckchen hier lasse: am anderen Ende der Welt.

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