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Südostasien

Und da steh ich nun. Der Zähler meines Countdowns ist heute umgesprungen. Ich bin jetzt einstellig. Und doch, noch bin ich unterwegs und noch gibt es 9 Tage auf dieser Reise, in denen ich Erinnerungen und Erfahrungen sammle. Derzeit bin ich Südafrika. Der letzte Stop. Doch wo hab ich mich seit dem letzten Post und dem „jetzt“ so rumgetrieben? Was ist passiert?

SÜDOSTASIEN

Als ich die letzten Zeilen des vorherigen Beitrags getippt habe, saß ich in Bangkok. Von da ging es mit dem Bus über die Grenze (holla, das war so ein Abenteuer für sich) nach Kambodscha. 16 Tagen war ich dort. Habe Angkor Wat, die weltweit größte Tempelstadt, besucht, in Siem Reap in wunderbaren 3D Bildern gestanden, hab gelernt, dass Straßenverhältnisse in Kambodscha quasi nicht mal existieren, bin getrampt und mit einem alten Bambus“zug“ gefahren. Baguette können sie hier (endlich keine Toast- Pappe mehr) ebenso wie geilen Kaffee. Ich hab in der Hauptstadt Phnom Penh viel über die traurige Geschichte des Landes gelernt und im Süden, in Kampot, fünf Tage erlebt, was Monsunregen und Mamis Rat bedeuten.

Von dort ging es mit einem 15 Tage Visum nach Vietnam. Bessere Busse, bessere Straßenverhältnisse (beziehungsweise überhaupt herrscht hier wenigstens eine Infrastruktur). In Saigon gestartet habe ich alte Kriegstunnel durchkrochen und auf einem Bierfestival, das mit dem „probieren“ wohl zu ernst genommen; ich sag dir, die Busfahrt nach dieser sehr kurzen Nacht war alles andere als amüsant. Es ging hoch in die Berge, hab hier „Happy water“ probiert (ohje, ich wollte das mit dem Alkohol doch lassen?!) und gelernt, was ein vietnamesisches „Family dinner“ ist (ich will meine Stäbchen ab hier nicht mehr missen). Auf einer Tagestour habe ich ein englisches Pärchen kennen gelernt, mit ihnen Wiesel Kaffee probiert, „Happy Buddha“ gesehen und mich abends mit ihnen in einer verrückten Bar fast verirrt. Wasserfälle gabs endlich mal wieder und eine Fahrt in einer echt geilen Rodelbahn.  Über Nacht mit dem Sleeper Bus (wie fast jedes Mal) weiter nach Da Lat: „Meer, bist dus??“. Fast weggeschwitzt wurde mal wieder eine Brauerei besucht und das englische Pärchen verabschiedet. Auf nach Hanoi, 17h, da kommt Freude auf, nicht. Hier hab ich durch nen Glasboden die Stadt von oben gesehen, bin durch das Weltnaturerbe „Halong Bay“ gekajakt und hab nen Zug gesehen, der mitten durch Cafe’s gefahren ist. Danach gings in den Norden, wo ich ein ethnisches Dorf besucht hab und mich die wohl schlimmste Busfahrt der Reise mich erwartet hat.

Vom Norden Vietnams über die Grenze nach Laos. 24h Busfahrt, bei der der Fahrer wohl traurig war, dass ers nicht in die Formel 1 geschafft hat und gefahren ist, dass mir ganz anders wurde. Irgendwie aber sicher angekommen, entpuppt sich Laos als kleines Schätzchen. Mega Street Food und eine Abmachung zum Hundesitten in Spanien, gabs in Luang Prabang. Ebenso wie einen gigantischen Wasserfall, in dessen eisblauem Wasser ich gebadet hab. Es folgte ein Tag mit Kajak und Zipline in Vang Vieng, gefolgt von dem totalen Knock out: Vier Tage lang lag ich krank im Bett. Ja genau, ich hab vier Tage lang einfach nur gepennt und dem Körper Zeit zum Erholen gegeben. Nachdem es besser ging, bin ich mit dem Fahrrad durch die Hauptstadt geradelt und konnte übers Flussufer quasi bis Thailand spucken. Auf dem Weg in den Süden gab es atemberaubende Natur, viel grün, Rad fahren und einen Tag voller Wasserfälle, von denen einer Bilderbuchmäßiger war, wie der andere. Auf einer von 4000 Inseln folgten 10 Tage „Urlaub“. Bitter nötig war das. Und dann dieser Moment, in dem ich dachte „bitte was? Kann mich mal jemand kneifen?, denn der einjährige Reisegeburtstag stand (schon) an. Häh? Was? Ich bin schon ein Jahr unterwegs?? Wann ist das denn bitte passiert? Nachdem mir der „Happy“ Cookie verwehrt geblieben ist, gab es noch eine Lichterzeremonie am größten Fluss Südostasiens, bevor es wieder in die Zivilisation ging.

Mit dem Bus über die Grenze, wieder nach Thailand. Oh mein Gott! Endlich wieder ausgestattete Supermärkte (fast an jeder Ecke), ordentliche Straßen und echtes Pad Thai. Im Norden, in Chiang Mai, hab ich erst aus Elefanten Poo Papier gemacht um dann am nächsten Tag diese gigantischen Tiere aus nächster Nähe zu beobachten, zu füttern und sie mit Schlamm einzuschmieren. Endlich gabs nen Thai Kochkurs und auf dem riesigen Nachtmarkt echtes, frisch gezapftes Erdinger Weißbier vom Fass. In Pai bin ich am Abgrund eines Canyons spaziert, über einen Pfad, der gerade mal  40cm breit ist, hab auf einer Bambusbrücke über dem satten Grün der Reisfelder gesessen und mich in irgendeinem Luxusresort am Pool gesonnt. In Chiang Rai gabs mal wieder eine von vielen Massagen sowie ne Tour zum „golden Triangle“: ich stand in Thailand und auf der anderen Seite des Flusses war links Myanmar und rechts Laos. Thailands berühmte Tempel, den „weißen“ und den „blauen“ hab ich gesehen, bevor es schließlich wieder nach Bangkok ging.
Alleine spaziere ich in denen Tage herum und merke, wie sehr mir das alleine reisen fehlt. Direkt neue tolle Kontakte geknüpft und spontan mal ein Bierchen trinken gehen. Ich hab in den Tagen einen Flugzeugfriedhof bestaunt, war auf einem Markt, der direkt an Zuggleisen liegt (war ne ganz schön enge Kiste für mich) und hab hoch über den Dächern, auf Bangkoks höchstem Observatory, einen wunderschönen Sonnenuntergang gesehen.

Südostasien war bunt, viel grün und rückblickend wunderschön. Die Herzlichkeit, Wärme und freundliche Art der  Menschen ist einfach toll. Die schöne Natur übrall hat mir sehr gut gefallen, ebenso wie Streetfood. Überrascht war ich davon, dass es tatsächlich eine gar nicht so kleine Bierkultur hier gibt, hingegen kaum ein Haushalt eine eigene Küche hat und man Wäsche nicht selber Waschen darf. Ich hab einiges an Kleidungsstücken verloren und freue mich so sehr, Wäsche selber zu waschen. Auch ist mir klar geworden, wie gut es uns in Deutschland geht, indem wir super gut Straßen haben oder auch die Möglichkeit quasi überall einen voll ausgestatteten Supermarkt vorzufinden.

Begeistert bin ich davon, wie Menschen, die aus materieller Sicht kaum etwas haben, mit die glücklichsten waren, die mir hier begegnet sind. Sie haben mir gezeigt, dass Armut im Auge des Betrachters liegt und das man zum glücklichsein, nichts braucht, denn Glück gibts kostenlos.

Voller Aufregung gings weiter. Wohin? Nach Indien. Ich war so verdammt aufgeregt, wie es da wohl sein wird…

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