Länder,  USA

Ich brauch‘ Urlaub

„Ich mag mich am liebsten, wenn ich voll bin von neuen Eindrücken in ferne Länder.“

Ich komme in Washington DC an und stelle schon nach wenigen Stunden fest: Ich kann nicht mehr. Ich merke, dass ich die letzten Wochen einfach unersättlich war, jeden Tag neue Dinge gesehen und erlebt habe. Unglaublich genossen habe ich meine Tage in Island, mit dieser wunderschönen Natur sowie meine ersten Eindrücke von Kanada und dass in New York ein Erlebnis nach dem nächsten auf mich eingeprasselt ist, muss ich nicht groß erwähnen. Seit Wochen bin ich Tag ein Tag aus unterwegs, ich bin so häufig in einer neuen Stadt, sehe neue Orte und es prasseln Mengen an Informationen auf mich ein. Jeden Tag laufe ich kilometerweit durch die Gegend, um meinem unersättlichen Durst nach Neuem nachzukommen. Es verging kein Tag in den letzten Wochen, an dem ich mal nichts gemacht habe. Zwar gab es zwischendurch auch Momente der Ruhe und ich schalte nur zu gern bei meiner Musik oder beim Schreiben ab, aber das sind meist nur kleine Momente. Habe ich einen Tag „off“ stimmt das so auch nicht ganz, denn an diesen Tagen schlendere ich meist durch die Straßen, um mir ein süßes Café zu suchen. Also auch hier sehe ich wieder Neues, bin wieder unterwegs und habe wieder neue Eindrücke. Es war bisher in jeder Stadt und an jedem Ort gleich: Ich denke mir „ich muss meine wenige Zeit, die ich dort habe, bestens ausnutzen“, „jetzt bin ich schon dort, jetzt muss ich doch alles sehen, was es zu sehen gibt“ und habe ein schlechtes Gewissen mir selbst gegenüber, wenn ich schlichtweg nur im Hostel sitzen bleibe. Dabei habe ich wohl die ganze Zeit eine meiner Grundprinzipien vergessen: Ich muss gar nichts!

„Kein Mensch muss müssen. Das einzige was man muss, ist nichts zu müssen.“

Ich merke hier wie ich mich selber ausbremse. Es tut mir zwar gut aufgrund der Frühstückszeiten des Hostels (mal wieder) mit Wecker aufzustehen, aber ich nutze meine Zeit dann nur bedingt. Ich raffe mich meist erst gegen 12 oder 13 Uhr auf, um dann irgendetwas in der Stadt zu machen, auf das ich eigentlich gar keine Lust habe. Ich stehe z.B. vor dem weißen Haus und denke mir: „Aha. Schön. Ja, sollte man gesehen haben. Darf ich jetzt wieder gehen?“ Ich bin schlichtweg lustlos und so kenne ich mich gar nicht. Also frage ich mich nach dem ersten Tag, was das ist und wo das herkommt? Es dauert auch gar nicht lange, bis es mir dämmert und mir klar wird: Ich brauche Urlaub!

„Manchmal braucht man einfach eine kleine Auszeit.“

Womöglich hälst du mich für verrückt oder denkst ich meckere auf hohem Niveau, aber ich habe in diesen Tagen gelernt, dass eine Weltreise eben kein Urlaub ist. Es ist nicht wie das tägliche Aufstehen und zur Arbeit gehen zu Hause, bei dem viele Schritte im Tagesablauf abzusehen sind. Im Alltag geht man gewohnten Dingen nach, kennt sein Umfeld, man wird nicht herausgefordert (nicht in diesem Sinne) und hat die Möglichkeit für eigene kleine Auszeiten zum Abschalten. Auf Weltreise zu sein bedeutet eine tägliche Welle an Neuem, die immer Unvorhersehbares bringt und auf Dauer sehr anstrengend ist. Ich bin derzeit einfach gesättigt, kann keine neuen Eindrücke mehr aufnehmen und ich brauche jetzt einfach mal einen Ort, an dem ich kein schlechtes Gewissen habe, wenn ich nichts mache und an dem ich für eine gewisse Zeit bleiben werde. Sowas wie Strand und Meer, denn das ist wunderschön, aber im Prinzip sieht es jeden Tag gleich aus.

Es kommt mir also ganz gelegen, dass der günstigste Flug von Washington aus nach Florida geht. Ich mag den Winter und mochte auch die Kälte all die Zeit, aber nun mag ich nicht mehr. Es wird Zeit für Sommer (naja eigentlich für Frühling, aber ich nehm naürlich auch den Sommer) und so geht es nach exakt drei Monaten Weltreise und Dauerkälte für mich ins Warme: nach Miami und dann auf die Bahamas (nein ich habe kein Geld zu viel, von Miami aus sind die Bahamas ein Katzensprung und mehr als günstig). Es scheint für mich ein Ort zu sein, an dem ich einfach mal die Seele baumeln lassen und abschalten kann. Der perfekte Ort für Urlaub. Urlaub auf Weltreise.

„Manchmal müssen wir erst etwas altes abstreifen, wie eine Haut, die uns nicht mehr passt, damit etwas Neues wachsen kann.“

Es kann sein, dass ich dann merke, dass das nicht meine Art ist, mal abzuschalten und ich mir andere Wege suchen muss, auch zwischendurch mal sacken- und die Dinge verarbeiten zu lassen. Aber darüber mache ich mir erst Gedanken, wenn es soweit ist, du weißt ja mittlerweile, wie ich dazu stehe über „was wäre wenn..“ und Pläne nachzudenken 😉

Ein Kommentar

  • Janine

    Hallo Christina 🤗

    Ich war wieder einmal total fasziniert von deiner Schreiberei. Danke, dass ich dich auf diese Weise auf der Weltreise begleiten kann oder besser gesagt daran teilhaben darf.
    Ich wünsche dir eine erholsame Urlaubsphase und noch viele spannende Momente auf deiner Reise.
    Liebe Grüße Janine und Bela

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