Länder,  USA

Welcome to Miami

„Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt.“- Maren

Ich landete in Florida und irgendwie war hier alles anders. Es war warm (das war ich nicht gewohnt) und die Straßen und Gebäude haben so gar nicht ausgesehen, wie die Städte, in denen ich bisher in den USA war. Ich habe das Gefühl, hier ist alles so, wie ich mir Amerika immer vorgestellt habe und ich kann dir gar nicht beschreiben, wie genau ich das meine. Diese amerikanische Bauweise und die Straßenbebauung, alles ein wenig altbacken aber dennoch schön und vermittelt (zumindest mir) ein Gefühl von Urlaub. Ich roch die Sonne und genoss es, mal wieder ein wenig Vitamin D aufzunehmen. In Orlando hatte ich keinen Aufenthalt, von hier ging es für mich mit dem Fernbus direkt weiter nach Miami Beach. Ich brauche nichts als Urlaub, aber die Hostels in Miami waren alle (zumindest online) aufs Party machen ausgelget. Nun ja, ich bin jetzt nicht so die Feiermaus und Alkohol brauche ich jetzt auch nicht in Massen, also bin ich eigentlich nach Miami, um hier einen Zwischenstopp einzulegen, bevor es endgültig auf die Bahamas – und damit in meinen Urlaub – ging. Ich hatte mich also eingestellt auf Strand und irgendwie eine Art Ballermann 2.0, doch was dann kam, hat meine negativen Erwartungen (mal wieder) um einiges übertroffen…

„Das Schöne am Reisen ist doch, dass man Menschen trifft, die man anders nie kennen gelernt hätte.“

Kaum im Hostel angekommen, werde ich angesprochen, wo ich denn herkomme und warum ich dort bin. Alina ist ebenfalls Deutsche und wir unterhalten uns eine Weile. Ich gehe duschen, einkaufen und dann treffen wir uns wieder in der Küche. Doch dort saß nicht nur sie, sondern während ich mein Essen koche, kommen immer wieder Leute vorbei, mit denen wir uns kurz unterhalten oder die sich zu uns setzen. Es wirkt mehr, als würden sich alle kennen und nicht, als wäre hier jeder für sich unterwegs. Nein, endlich Leute, die offen sind und freudig auch neue Kontakte zu knüpfen, genau so hab ich mir das Backpacking immer vorgestellt!

Da ich ja keine Pläne mache, hatte ich für den kommenden Tag auch noch nichts geplant und so gerne die Einladung angenommen, mit Alina und einer Österreicherin (auch in unserem Hostel, kannte ich bis dato aber noch nicht) nach Wynwood zu fahren. Als wir sie am nächsten Morgen beim Frühstück treffen, habe ich schnell gemerkt, dass ich mit ihr ebenso auf einer Wellenlänge bin, wie mit Alina auch. Also machen wir uns fertig und sitzen in der Lobby „ready to go“, als Alain vorbei kommt. Ein Schweizer aus unserem Hostel, den die beiden anderen bereits an den Tagen vorher beim Partymachen kennen gelernt hatten. Kurzerhand entschließt er ebenfalls, sich spontan uns anzuschließen. Wir vier verstehen uns unglaublich gut, sind irgendwie alle auf einer Wellenlänge, sodass es sich schon nach kurzer Zeit anfühlt, als wäre ich nicht mit neuen Bekannten, sondern mit alten Freunden unterwegs. Wir erleben einen unglaublich witzigen Tag, bei dem wir uns immer wieder gegenseitig aufziehen, wegen der verschiedenen Dialekte und Akzente, wo wir doch eigentlich alle Deutsch sprechen. Wir lachen viel über uns selbst, haben einen wunderschönen und unglaublich lustigen Tag in Miami Downtown, bei dem wir die Kunstwerke bei Wynwood Walls (Freiluftmuseum mit Arbeiten von weltbekannten Stree-Art-Künstlern) bestaunen. Zurück in South Beach lassen wir vier den Abend noch gemeinsam ausklingen und gegen 1 Uhr nachts ist das Bier alle, meine Wangenmuskeln schmerzen von dem ganzen Lachen und wir verabschieden uns von Tamara, denn sie fliegt heute leider weiter.

Am nächsten Morgen geght es für Alina und mich zu den Everglades und wir genießen diese tolle Natur und die Fahrt mit dem Airboat, bei der wir (mal wider) unglaublich Spaß haben. Tolle und auch tiefgründige Gespräche haben wir an diesem Vormittag, sowohl im Bus als auch bei unserem gemeinsamen Essen im Anschluss. Zurück im Hostel buche ich noch meinen Flug sowie das Hostel auf den Bahamas und dann geselle ich mich wieder zu den Anderen. Sie sind am Strand und so sehe ich, nach einigen Tagen Miami, an diesem Nachmittag erstmals das Meer. Alain und ich sitzen noch am Strand bis die Sonne untergegangen ist, gehen dann wieder ein bisschen Bier kaufen und setzten uns erneut in die Hostel Lobby. Binnen kurzer Zeit sitzen jede Menge neue Leute bei uns: die einen bleiben länger, die anderen kürzer. Es ist so schön, wie schnell, einfach und unkompliziert es sein kann, Menschen kennen zu lernen, wenn beide Seiten offen dafür sind. Und so habe ich auch heute wieder einen Tag, der einfach zu witzig war, voller schöner Momente und an dem ich viel zu spät im Bett war. Nach nur knapp 3 Stunden Schlaf geht’s für Alain und mich nach Key West, dem südlichsten Punkt der USA. Acht Stunden Busfahrt haben wir vor uns. Ich muss sagen, ich finde ihn durchaus attraktiv, er ist sehr nett und vorkommend, nicht aufdringlich und ein kleiner Gentleman. Einen tollen Tag erleben wir in Key West, an dem wir den Hafen sehen, ich zum ersten Mal auf meiner Weltreise im Meer schwimmen bin und die summer vibes bei dem schönen Wetter mehr als genieße. Wir gehen zusammen was essen, trinken (mal wieder) ein Bier und dann geht es auch schon wieder zurück. Ein Tag mit tollen Gesprächen und einem sehr netten, interessanten Menschen geht zu Ende. Zurück in Miami schließe ich den Abend in der Küche des Hostels mit Alina und etlichen anderen Leuten, die uns so begegnen, ab.

Am nächsten Morgen heißt es auch schon Abschied nehmen für mich und die Tage in Miami sind schneller vorbei gerannt als gedacht. Die Zeit scheint nur so geflogen zu sein und eigentlich will ich weder Alina noch Alain „Auf Wiedersehen“ sagen.

„Alles was geschieht hat einen Grund und irgendwann wirst du wissen, welchen.“

Ich wollte meine Tattoosammlung an diesem Morgen erweitern, doch der Tattoowierer hatte geschlossen. So denke ich, sollte es wohl so sein, dass ich mir hier kein Tattoo stechen lassen sollte. Ich glaube alles hat einen Grund und nichts geschieht zufällig, alle Geschehnisse sollen mich irgendwas lehren oder mir irgendwas zeigen, ebenso wie alle Begegnungen. „Was meinst du, welchen Grund hat es, dass wir uns begegnet sind?“ hat er mich am Vorabend gefragt. Nun ja, ich weiß es nicht, vielleicht werde ich es auch nie erfahren, aber ich begegnen Menschen nicht einfach so und ich glaube, Menschen, die eine besondere Rolle tragen, begegnet man immer 2x im Leben.

Der Abschied fällt mir unglaublich schwer und obwohl wir uns noch gar nicht lange kennen, so war unsere Zeit doch sehr intensiv und wir lernen uns alle beim Reisen unter anderen Bedingungen kenne, als im Alltag. Ich habe hier neue Freunde gewonnen und am liebsten würde ich hier noch ein paar Tage mit ihnen bleiben. Doch auch das soll wohl so sein: es hatte wohl einen Grund, dass wir uns über die Füße gelaufen sind, aber auch, dass sich unsere Wege hier und jetzt trennen.

Für mich geht es nun endlich, wenn auch wehmütig, in den Urlaub und Miami hat mir – erneut – gezeigt, dass es wunderschön werden kann, wenn man keine Erwartungen an etwas hat und wenn es sein soll, werden wir uns wieder sehen.

„It’s one oft the hardest goodbyes since I’m on my way.“

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