Länder,  Neuseeland

worth it?

Zwei Wochen bin ich nun schon hier in Neuseeland, am anderen Ende der Welt. Wo ich bisher nur Trübsal geblasen habe, kann ich nun sagen, es geht mir wieder besser. Ich habe mir die Auszeit gegönnt, die ich (und vor allem mein Körper) gebraucht habe und nun hat mich der travel- Alltag wieder.

Von Christchurch aus habe ich ja einen kleinen Abstecher nach Kaikoura gemacht, was nördlicher und somit oberhalb von Christchurch liegt. Nachdem sich die Tage dort allerdings mit dem Regen meiner Stimmung angepasst hatten, ging es wieder zurück nach Christchurch. Aufgrund der Eröffnung meines neuseeländischen Bankkontos kehrte ich dorthin zurück und wurde mit wunderbarem Spätsommerwetter belohnt. Zwei Tage war ich nochmal dort, in denen es fast 30°C waren, was sehr ungewöhnlich für die aktuelle Jahreszeit (Herbst) ist. So hatte ich die Tage dort noch genossen, um ein bisschen sight seeing zu machen und um die Sonnenstrahlen am Flussufer zu genießen. Ein wunderschöner Abschluss für meine Tage in Christchurch war ein open air Kino. Hier hatte ich meine Decke aufgeschlagen, die Reiscracker ausgepackt und mich nach Einbruch der Dunkelheit in meinen Pullover gekuschelt während „A Star is born“ auf der Leinwand flimmerte. Das erste Mal Kino auf meiner Weltreise und dann auch noch so: hach wie ich solche Dinge liebe!

„Möge dein Tag durch schöne kleine Dinge groß werden.“

Am nächsten Morgen ging’s zum Fernbus, welcher mich zum Lake Tekapo gebracht hat. Da ich bereits am Vormittag dort angekommen war habe ich das schöne Wetter gleich genutzt, mir eine Wanderroute ausgesucht und bin direkt los marschiert. Der Hike hatte es ganz schön in sich, ging steil nach oben und ich kam total nassgeschwitzt auf der Spitze an. Doch der Anblick war so wunderschön, dass ich die Anstrengung bei der Aussicht sofort vergessen hatte. Ich genieße diese Momente immer so sehr und will alles ganz genau aufnehmen und in meinem Kopf abspeichern. Also hatte ich es gemacht wie sonst auch und habe mich ein bisschen abseits der Menschen auf die Spitze dieses Berges gesetzt, den Wind über meine geschwitzte Haut ziehen und die Sonne auf meinen Rücken scheinen lassen, während ich einfach nur dem Sound der Natur gelauscht und diesen wunderschönen Ort betrachtet habe. Die Farbe des Sees ist es, was ihn so atemberaubend macht, denn er ist eisblau. Umgeben wird er von jeder Menge Berge, die eine traumhaft schöne Kulisse um darum bilden und sich in Perfektion auf dem Wasser reflektieren. Nachdem ich wieder im Hostel war und eine Dusche genommen hatte, bin ich zu einem kleinen Strandabschnitt an den ich mich gesetzt hatte, um von hier aus den Sonnenuntergang zu betrachten. Ich glaube ich saß über eine Stunde auf diesen Steinen, habe den kleinen Wellen zugesehen wie sie an den Felsen zersprungen sind und den Enten, wie sie die Spiegelung des Sonnenuntergangs auf dem Wasser durchbrochen haben.

„Ich bin so einfach zu begeistern.“

Es war für mich ein Moment voller Leichtigkeit, in dem ich meinen Kopf ausschalten konnte und in dem ich so losgelöst und glücklich war. Ich weiß nicht, warum mich genau diese einfachen Dinge immer so glücklich machen, aber ich genieße sie so sehr. Ich merke immer wieder, wie wenig ich brauche um glücklich zu sein und mögen die Dinge noch so klein sein, dass ich immer wieder ganz schnell davon begeistert bin.

Am nächsten Morgen ging es für mich wieder weiter nach Queenstown, ein kleines Städtchen, welches im Südwesten liegt. Die Busfahrt war sehr lange, doch dass der Busfahrer an verschiedenen Stellen Halt gemacht hat und ich so beispielsweise die Möglichkeit hatte, den Mount Cook (höchster Berg Neuseelands) doch noch zu sehen, hat das ganze sehr sehenswert gemacht. So bin ich jedoch erst gegen 19Uhr in Queenstown angekommen, doch ich war direkt verzaubert von diesem Fleckchen. Ein Ort, der gefühlt so groß ist wie die Saarlouiser Altstadt, rund um einen See liegt und von den Neuseeländischen Alpen umgeben wird. Dabei ist hier jede Menge los: jede Menge Menschen tummeln sich im Zentrum, in welchem es überall so lecker nach verschiedensten Essensgerichten reicht,  es gibt viele moderne Geschäfte und die klassischen Souvenirläden. Es ist so urig und trotz der vielen Leute so gemütlich. Hier und da steht ein Straßenkünstler, der die Gassen mit einem tollen Sound belegt während man im Hintergrund den See sieht und dessen Wasser rauschen hört.

Kann mich kurz jemand kneifen? Was ist das denn bitte für ein schönes Fleckchen Erde? Ich hab noch nicht viel von Neuseeland gesehen, aber dieser Ort hat mir direkt ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Auf Anhieb hatte ich an dem Abend den richtigen Weg eingeschlagen und stand nur eine Minute später am Seeufer, während die Sonne gerade unterging und den Himmel mit wunderschönen Farben gefärbt hat, die durch die wenigen Wolken am Himmel nur noch schöner zur Geltung gekommen sind. Diese romantische Kulisse hat mich zum Träumen gebracht und mir ein Dauerlächeln ins Gesicht gezaubert, welches sich so schnell nicht legen sollte.

Als ich am nächsten Morgen los bin um diese Stadt auch im bei Tageslicht  zu betrachten, hatte ich mir hierfür wieder eine Wanderroute ausgesucht, die es gewaltig in sich hatte. Wieder ging es steil bergauf und schon nach wenigen Minuten war ich wieder total geschwitzt. Doch die Sonne knallte nur so vom Himmel, an welchem erneut kein einziges Wölkchen zu sehen war.

„Man sagt immer „schau nicht zurück, sondern nur nach vorne“, doch manchmal lohnt es sich, sich einmal umzudrehen, um den Weg zu sehen, den man bereits zurück gelegt hat.“ – Christina

Diese Aussage beschreibt nur zu gut, wie es mir immer geht, wenn ich nach unglaublicher Anstrengung halb atemlos oben ankomme, mich umdrehe und dann den sagenhaften Ausblick genießen kann. Jedes Mal frage ich mich, ob es das wirklich wert ist, wenn ich keuche und jeder Schritt noch anstrengender ist als der vorherige. Doch es ist dieser einie, winzige Augenblick, in dem den letzten Schritt mache, nur um mich dann umzudrehen und dann diese atemberaubende Aussicht zu haben. Vor mir zeichnet sich der Weg ab, den ich gerade noch mit jeder Zelle meines Körpers verflucht habe, der jetzt aber völlig egal erscheint, weil die Aussicht mir den Atem raubt und mir die Last abnimmt und ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Genau dieser Augenblick ist, der mir immer wieder zeigt, dass es sich lohnt all die steinigen Wege zu gehen, denn dieser Augenblick, ja genau der ist es wert!

„Is it worth it? Oh yes, it is!”

 

Nachtrag:
Mir wurde kotzübel und mein Lächeln verschwand für den restlichen Nachmittag, als mich die schrecklichen Nachrichten bezüglich Christchurch erreicht hatten. Ich war schockiert und mir lief es eiskalt den Rücken herunter. Gerade mal zwei Tage war es her, dass ich einen wunderschönen letzten Abend in dieser sowieso schon so zerrütteten Stadt genossen hatte. Nur zwei Tage !

Doch mir geht es gut und ich bin unversehrt, wie gesagt ich hatte Christchurch ja schon verlassen. Und dennoch: so wie es für dich vielleicht weit weg – am anderen Ende der Welt – sein mag, so ist es für mich gerade ziemlich schwer das hier so hautnah mitzubekommen.

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